Schauschau, auch Skeptiker haben Emotionen

Ping, da bin ich wieder vom letzten *gräm* Kurzurlaub des Jahres zurück. Und hab da ein ganz persönliches Thema, denn: Ein Skeptiker ist weder ein gefühlsverkrüppelter Spock noch ein technokratischer Homo faber. Was ich gar nicht abkann ist, wenn mir Leute Emotionen absprechen, weil ich ihnen mit logischen Argumenten begegne. Das macht mich rasend! Plumps, da haben wir eine Emotion ;-) Wenn diese wissenden Esos und sonstwelche Gläubischen Logik und Rationalität abtun und mit ihrem milden, weisen und entrücktem Lächeln daherkommen, mag ich selbiges manuell entzahnen. Aber ach, da steht mir mein Pazifismus im Wege. Also: Logik, Rationalität, Skeptizismus und Wissenschaft führen im Gegensatz zu den herkömmlichen Unterstellungen zu wunderbaren, schönen Emotionen. q.e.d.:

Nur weil ich um den Effekt des Kindchenschemas weiß, bedeutet es nicht, das schöne Gefühl abzuwerten, das entsteht, wenn ich (m)ein Baby sehe. Dazu braucht es kein Wir-schwingen-alle-im-Universum-und-sind-eins-ommm.

Nur weil ich weiß, dass der Regenbogen durch Lichtbrechung im Wassertropfen entsteht, ist er nicht minder schön. Dazu braucht es keine alternativen Physikmodelle.

Nur weil ich weiß, dass Sterne lediglich „Kernfusionsapparate“ sind, ist das Weltall nicht minder faszinierend. Dazu braucht es kein Astrologie-Gefasel.

Nur weil ich weiß, dass das Streicheln über meinen Arm von Hautrezeptoren und Nervenbahnen mittels elektrischer Impulse zum Hirn geleitet wird und dort Hormone (die guten) freisetzt, macht es das nicht minder angenehm.  Dazu braucht es kein Liebe-Licht-Geschwurbel.

Nur weil ich weiß, dass Tränendrüsen in meiner Augenhöhle eine salzhaltige Flüssigkeit produzieren, macht es das Weinen nicht minder traurig. Dazu braucht es kein – ach leckt mich doch mit Eurem Gedönsaberauchherrjehnochmlakruifixetcetera… ;-)

Und nur weil ich weiß, dass und wie all die Esos, Heiler, Schamanen, Höbbadden, Pfaffen und Astrologen die Menschen verarschen – MINDERT DAS NICHT MEINEN HEILIGEN ZORN AUF DIESES GESOCKS!

Tschuldigung, ich wisch mir mal den Schaum vom Mund.

So. Geht wieder. Gerade die Naturwissenschaften machen doch die Welt nur noch faszinierender, schöner und sowohl intellektuell als auch (eben gerade) emotional erfahrbarer. Ist es nicht unglaublich, dass es zu einem gewaltigen Blitz und krachendem Donner keine Götter braucht, sondern dass es elektrische Entladungen sind, die es knallen lassen? Ist es nicht irre, wie ein Felsbrocken die Erde durch seine Gravitationskraft beeinflusst? Und dass er so gar keinen Einfluss auf mein Haarwachstum hat oder was die Mondkalenderandreher einem sonst weismachen wollen. Mir jagt es einen kalten Schauer der Begeisterung über den Rücken, wenn ich lese, was im CERN über die Natur der Materie herausgefunden wird. All das Schöne in der Natur wird nur noch schöner und spektakulärer, wenn man mehr darüber weiß.

Und ja, Skeptiker können sich sogar ihrer Gefühlswelt hingeben, ohne eine Erklärung zu brauchen: Mozarts Requiem zum Beispiel nimmt mich jedesmal regelrecht auseinander. Pessoas „Buch der Unruhe“ sorgt für einen emotionalen Aufruhr in mir. Wenn ich vor einer Höhlenmalerei stehe und mir vorstelle, wie vor tausenden von Jahren ein Mensch daran gearbeitet hat, haut mich das um. Wenn das Objekt meiner Begierde sich vor mir entblättert, denke ich ausschließlich mit Hormonen (ätsch, ihr dachtet wohl, ich verrate hier, ob das aargks Männlein oder Weiblein ist). Wenn ich einen Flachwitz höre, kriege ich einen Lachkrampf (Der zum Beispiel: fliegen zwei Leberkäse über der Wüste. Sagt der eine: „Lass mich auch mal in der Mitte fliegen“).

Und nicht zuletzt: Auch rationale Skeptiker können unlogisch. Davon morgen mehr.

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3 Kommentare zu “Schauschau, auch Skeptiker haben Emotionen

  1. Sehr schön gesagt, danke.

    Kleiner Klugscheisserkommentar von mir: „dass der Regenbogen durch Lichtbrechung von Wasser entsteht“.
    Wasser wird nicht Lichtgebrochen… ;-)

    Es ist eine Lichtbrechung AM Wasser, aber nicht eine Lichtbrechung VON Wasser…
    ;-)

    • aargks, danke für den Hinweis, ist geändert. „Lichtbrechung im Wassertropfen“ ist noch genauer.

      PS: Sorry, hab Deinen Kommentar erst heute im Spam gesehen,keine Ahnung, wie er da rein kam.

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