Es wird kein Bargeldverbot 2018 kommen (2): Worum es eigentlich geht

Die Bargeldverschwörung ist ein Paradebeispiel, wie die Schwurbler aus Halbwahrheiten etwas konstruieren, das es gar nicht gibt. Der geistige Tiefflug geht so: Das Bargeldverbot macht uns abhängig von den Banken, die im Schulterschluss mit dem Staat alle unsere Geldbewegungen und damit uns ausspionieren. Keine schöne Vorstellung, in der Tat. Nur ist halt nichts dran. Ja, immer mehr Zahlungsmöglichkeiten können elektronisch abgewickelt werden. Ja, manche Länder haben eine Höchstgrenze für die Bargeldzahlung. Nein, das hat alles rein gar nichts mit einem Bargeldverbot zu tun.

Es gibt Höchstgrenzen für Bargeldgeschäfte. Das soll Geldwäsche und Steuerbetrug eindämmen, so die durchaus plausible Argumentation. In Italien gilt schon seit Dezember 2011 eine Höchstgrenze von 999,99 Euro. Und auch wenn der Standard Urlauber damals schon in Zahlungsnot wähnte, ist das bisher nicht eingetreten. Ob die Handwerkerrechnung über 1.500 Euro auch wirklich überwiesen und ordentlich versteuert wird, weiß ich nicht. Darauf kommt es aber auch nicht an: Die Idee ist, die Schattenwirtschaft einzudämmen und damit mehr (berechtigte) Steuergelder in die öffentlichen Kassen zu spülen.

Die Bargeldverschwörer machen daraus ruck-zuck ein Bargeldverbot. Nochmal zum Mitschreiben, liebe Verschwörer: Höchstgrenze für Barbezahlung heißt nicht, das Bargeld zu verbieten. Das ist ein unzulässiger Schluss. Im Übrigen, kurzer Praxischeck: Würde heute noch jemand allen Ernstes gerne mit 5.000 Euro im Geldbeutel durch die Stadt laufen wollen, um zum Beispiel seine Küche im Möbelhaus zu bezahlen?

AAaaahaaber, raunen die Bargeldverschwörer, da stecken doch handfeste Interessen der Banken dahinter. Denn, so die Idee, wenn Negativzinsen das Konto schrumpfen lassen, hebt doch jeder seine Kohle ab, steckt sie unters Kopfkissen und die Banken gehen ein. Ja, das wäre ein halbwegs plausibles Szenario. Falls die Annahme stimmt. Mal schauen: Yep, die deutsche Skatbank (Sachen gibt’s) erhebt ab 500.000 Euro einen Negativzins, ebenso die Commerzbank (jedoch nicht für Privatanleger). Da steht das angenommene Szenario auf ganz, ganz wackeligen Beinen.

Und: Nur weil Lobbygruppen und sogar der so genannte Wirtschaftsweise Bofinger Bargeld abschaffen wollen bzw. das Thema einfach nur mal in den Ring werfen, heißt doch noch lange nicht, dass das überhaupt politisch durchzusetzen wäre. Die Bargeldverschwörer nehmen auch nicht zur Kenntnis, dass der Präsident der Deutschen Bundesbank solchen Überlegungen entgegentritt (Zitat: „Jeder sollte so zahlen, wie er es bevorzugt.“)

Es ist eine in Verschwörerkreisen gerne genutzte Cui-bono-Strategie: Man nehme den Staat (der will uns eh nur ans Leder), die EU (die sowieso), die Banken (die erst recht) und hat damit drei Protagonisten, denen man unterstellt, sie wollen uns alle unterdrücken, der Freiheit berauben und ausspionieren. Aus diesen konstruierten Annahmen entsteht dann der Fehlschluss: Weil ein Bargeldverbot im Interesse dieser Protagonisten sei, wird es auch so kommen.

Aus ein paar verqueren Annahmen unter Weglassen gegenteiliger Argumente rühren die Bargeldverschwörer einen Schluss zusammen, dass es die Logik graust. Aber Hauptsache schreien können: Bargeld wird verboten!!!1!11elf!!1!

 

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10 Kommentare zu “Es wird kein Bargeldverbot 2018 kommen (2): Worum es eigentlich geht

  1. Klar gehe ich mit 5000€ in der Tasche ins Möbelhaus, einfach weil meine Bank nicht in der Lage ist, mir für denselben Tag ein höheres EC-Limit einzurichten. Nein, das muss ich einen Tag vorher anmelden, hieß es.
    Ich hätte dem Banktypen links und rechts eine runterhauen können. (Verbal, meine ich.)

    • 9000€ waren bislang das Höchste was ich mir mir rumschleppte. Allerdings als Scheck.
      Ich kann mich nur nimmer erinnern ob ich den auch am Tag vorher anmelden musste…

    • Warum muss man aber solche Beträge überhaupt an der Kasse zahlen? Das ginge doch sicher auch per Rechnung, oder? Die Küche trage ich ja nicht in der Plastiktüte aus dem Laden, sondern kriege sie geliefert, die haben also so oder so eine Adresse.

      Größere Beträge (z.B. im Zusammenhang mit Hauskäufen oder -bauereien) werden meines Wissens oft mit Scheck bezahlt. Da würde ich allerdings erwarten, dass die Bank vor der Auszahlung bei mir nachfragt, wenn jemand einen Scheck über 50.000 Euro oder so mit meiner Unterschrift einreicht.

      • Die wissen zwar, wo du wohnst, aber nicht ob du genug Geld hast. Eine nicht bezahlte Küche wieder abzubauen ist ein ziemlicher Aufwand … und besonders neuwertig sind die meisten Teile dann auch nicht mehr.
        Und nein, ich will nicht dass IKEA eine Schufa-Auskunft einholen kann.

        Was wir hier bräuchten, wäre sowas wie Mobile TAN für (größere) Einkäufe mit EC-Karte. Technisch kein Problem …

  2. me too ;-) (also eigentlich eine überflüssige Anekdote – aber der Bekräftigung halber…)

    Selbstverständlich habe ich schon mal mit rund 15k Bar-Euro ein Autohaus „gefordert“ (eben nicht, weil es wohl soooooo selten gar nicht vorkommt). Einfach deshalb, weil die Gesamtkohle sich aus mehreren Quellen zusammensetzte. Ich *hätte* den ganzen Kram auch auf ein Konto zusammenführen und von dort aus überweisen oder einziehen lassen können – aber wozu, wenn es so *für mich* viel handhabbarer und einfacher war?

    • Was auch sehr schön geht ist ein großer Stapel neuer 5-Euro-Scheine (kann man auf Nachfrage bei der Bank kriegen, direkt aus der Packung, schön mit fortlaufenden Nummern). Mit Fotokleber macht man daraus einen sauberen Block, von dem man dann an der Kasse die entsprechende Zahl Scheine abreißt. Große Augen praktisch garantiert…

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