Reichsdozententage (II): Akademie-Welpe und Wunderkind

Gerade einmal 18 Jahre alt ist Richard Kandlin, Dozent für das „Schetinin-Schulkonzept und Pionier neuer Bildungskonzepte“ an der Weisheits-Akademie. Ein wahrer Wunderknabe, der schon viel Großen vollbracht hat. Leider findet man dazu nicht eine einzige seriöse Quelle.

Kandlin ist nach dem Abgang vom Gymnasium in der sechsten Klasse durch die Realschule gerumpelt, von der er in der neunten Klasse ohne Abschluss mit einem Schnitt von 3,9 abgegangen ist. Daraufhin ging er nach Russland auf die Schetinin-Schule, die ein revolutionäres Bildungskonzept verspricht: Und in der Tat hat unser Wunderkind dort die Hochschulreife mit einem Notendurchschnitt mit 1,4 bestanden. Dieses Zeugnis ist nicht auf der königlichen Website zu finden, obwohl andere Dozenten sogar ihre Bundesjugendspielurkunden stolz präsentieren. Honi soit qui mal y pense.

Zusätzlich studierte er dort parallel Philosophie, Psychologie, Geschichte und Botanik. Doch ach, böses Ungemach und schlechte Welt: „Die Studiengänge konnten durch ihn nicht abgeschlossen werden, da es Probleme und Unklarheiten bzgl. seines Visums und der Staatsangehörigkeit gab.“

Zurück in Deutschland machte er sich daran, das Schetinin-Konzept voranzubringen. So weit ich das verstanden habe (aber das aargks ist ja auch nur mit Abi ausgestattet und hat staatlich gehirngewaschen studiert, was weiß ich schon) geht das im Wesentlichen so: Behandle den Lernenden ganzheitlich und er kann alles in wenigen Monaten.

Faktencheck:

  • Weder über den Begriff Schetinin-Schule noch über den auch verwendeten Begriff Tekosschule finden sich außerhalb esoterischer Websites seriöse Informationen.
  • Für die Behauptung, dass die UNESCO diese Schule 1998 (manche Websites sagen 1999) als beste Schule der Welt bewertet hat, gibt es außerhalb esoterischer Websites keine seriösen Informationen.
  • Die Klagenfurter LAIS-Schule, deren Mitgründer er sein soll, ist keine Schule, sondern häuslicher Unterricht ohne Lehrer, wogegen ein Verwaltungsstrafverfahren läuft.
  • Die Salzburger Weinbergschule, die seit zehn Jahren existiert und deren Mitgründer Kandlin sein soll (mh, Schule mit acht Jahren gründen, Respekt), ist eine private Grund- und Hauptschule, die rein gar nichts auf ihrer Website über den Schulalltag berichtet (Klassen, Lehrplan, Abschluss, Bewerbung, Schülerzahl) dafür aber Schulgründer-Coaching, andere dubiose Fortbildungen und Eso-Käse massiv bewirbt und verkauft.

Fazit: Leerkörper. Behauptungen ohne Belege, viel heiße Luft. Unter seinen Fähigkeiten wird unter anderem „Sanitär“ angegeben. Ich übersetze: Griff ins Klo. Passt.

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4 Kommentare zu “Reichsdozententage (II): Akademie-Welpe und Wunderkind

  1. Hochkarätig, sehr beeindruckend, da kann der erste Nobelpreis nicht weit sein!

    Und die Liste seiner Fähigkeiten ist beachtlich. Tänzer versch. Volkstänze finde ich besonders beeindruckend. Der ist ja wissens- und wissensmittlermäßig die eierlegende Wollmilchsau. Neben Kandlin brauchen sie nur noch wen für Buchhaltung/Statistik und Sprachen (kann er eigentlich Russisch?).

    Sehr aktiv in der sinnvollen Wiederverwendung von Aluminiummüll.
    Anders gesagt: Aufbau der königlich-fiduziarischen Aluhutproduktion.

  2. Jubelt und frohlocket, eine neue Serie aus der aargksschen Wortwerkstatt! Und dann noch über die Akademie für Schlaubischlumpfität und Alleskönnerei! Erstens amüsant! Zweites aufklärend aufkehrend, denn nach erfolgter Durchleuchtung ist zu vermuten, dass von der behaupteten Wundermächtigkeit des Akademie-Kaders nur noch Bruchstücke übrig bleiben.

    Ganz generell zu der Art und Weise, wie die Akademie samt ihrer werten Dozentenschaft ans interessierte Publikum gebracht wird: Würde ich es nicht besser wissen, aufgrund einer Vorbelastung durch den Konsum diverser Schwurbeleien aus königlicher Feder, dann könnte ich durchaus annehmen, die Vorstellungsseiten seien im Rahmen eines Satireprojekts entstanden. Welches gekonnt die eklatante Lücke zwischen dem bombastischen Selbstverständnis und der ausgesprochen mageren Realität karikieren soll. Solch ein völlig überdrehtes, buzzwordgeschwängertes Geschreibsel voller Eigenlob, Vorschusslorbeeren und unbewiesener Qualifikationsbehauptungen muss man sich erst einmal zu veröffentlichen trauen. Für jeden ansatzweise rational Denkenden dürfte es eher abschreckend wirken.

    Aber, vielleicht ist genau dies auch Kalkül? Wer nach der Lektüre der entsprechenden Vorstellungsseiten denkt: „Oh, ja, genau, das habe ich mir immer schon gewünscht, toll, toll, toll, wo kann ich mich einschreiben, hier ist schon einmal das Geld!“, der wird eine gewisse Leidensfähigkeit bei gleichzeitiger Anspruchslosigkeit mitbringen, genügend autoritätsgläubig sein und den nötigen Untertanengeist aufweisen können, um im Akademiealltag nicht durch zu forsche Fragen anzuecken.

    Gibt es eigentlich schon offizielle Einschreibezahlen?

  3. Die Jungs (und das Mädel) sollten mal bei Rio Reiser reinhören. Der hatte damals bessere Ideen.

    Mehr fällt mir dazu echt nicht ein.

    (Und wie bekomme ich den Ohrwurm jetzt wieder da raus?)

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