Reichsdozententage (IV): Hat keinen Hau weg

Ein sehr schwierig zu bewertender Dozent ist Ubbo Enninga, der an der königlichen Akademie bildende Künste lehren wird. Schwierig deshalb, weil ich ihn – ganz ohne Ironie – für den einzig ernst zu nehmenden Menschen in dieser Pfosten-Riege halte, der wirklich etwas kann. Immerhin: Der renommierte Bildhauer ist auch Geistheiler und Astrologe, womit er aber nicht hausieren geht und es nur nebenbei auf seiner Website erwähnt. Gibt ein paar Facepalm-Bonuspunkte.

Die königliche Akademie und deren Dozenten bestechen ja vor allem durch esoterisches Wischiwaschi und einer bisweilen recht eigenwilligen Definition ihrer „Ausbildung“. Demnach sollte man auch erwarten, dass es als Qualifikation für die Dozentur der bildenden Künste ausreicht, einmal ein Malen-nach-Zahlen-Bild halb fertiggestellt zu haben.

Mit Ubbo Enninga hat die Akademie jedoch einen Dozenten an Bord, der nicht nur Kunst studiert hat (an echten Universitäten), sondern auch seit Jahrzehnten als erfolgreicher Bildhauer auf sich aufmerksam macht und besonders im Südwesten eindrucksvolle Spuren hinterlassen hat. Ich möchte jetzt nicht ins Feuilletonistische abgleiten, aber die Werke Enningas sind unglaublich intensiv, thematisch durchdacht, empathisch und mitreißend, und es steckt hinter einer einzigen Skulptur des Bildhauers mehr Substanz (an allem) als im kompletten Königreich jemals zu finden sein wird. Kurz: Der kann wirklich was. Hier ist eine sehenswerte Auswahl an Werken.

Warum also verdingt er sich im Schwurbelreich der Weisheits-Akademie? Braucht er Geld? Beim König wird er keines sehen, da hat bislang noch jeder draufgelegt. Spontan habe ich gedacht, der will nur trollen und startet eine Undercover-Kunstaktion. Das möchte ich auch nicht gänzlich ausschließen, doch scheint er dem Königreich – warum auch immer – zugetan. Er ist auf Bildern der Drei-Jahres-Fete zu sehen, und ja, er gibt an, Astrologe und anerkannter Heiler beim Dachschadenverband Geistiges Heilen zu sein.

Fazit: Ratlos. Enningas Skulpturen gefallen mir außerordentlich gut, und dass er ein Könner seines Fachs ist, beweisen seine Werke und Ausstellungen. Von ihm können Schüler und Studenten wirklich etwas über Kunst und Bildhauerei lernen.

 

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9 Kommentare zu “Reichsdozententage (IV): Hat keinen Hau weg

  1. Keinen Hau? „Wie alle Menschen, die dem Schicksalsstrom des Eingeweihten Christian Rosenkreuz entspringen, ist auch Ubbo Enninga jemand, der vollständig im Mysterium der Tat lebt. Christian Rosenkreuz steht neben Künstlern, die aus einem Stein einen Kopf machen, aus einem Holz einen Torso, aus Nichts eine Welt. Christian Rosenkreuz steht neben Menschen, welche die sich zusammenkrümmende Erde in einen Stern verwandeln, er steht neben den modernen Alchimisten, die als Bio-Bauern dem Boden Gutes tun, neben den Forschern, die in ein kleines Kügelchen die Kraft der Heilung bannen,“ läßt sich der Meister durch einen Adepten auf seiner Homepage neben den Urverschwörer Rosencreutz stellen.

      • Schon klar, daß Rosencreutz kein realer Verschwörer war sondern Gegenstand einer Verschwörungstheorie war und ist. Zu laxe Wortwahl meinerseits!
        Das Geschwurbel ist zwar amüsant, in der Präsentation auf der Homepage aber vom Autor Gronbach und vom Inhaber, dem Galeristen Herrmann, ernst gemeint,, also nicht „humoristisch“. Kann mir kaum vorstellen, daß der Künstler selbst das ganz anders sieht.
        (Damit steht´s wohl 1:1, was Wortwahl betrifft ;))

  2. „Spontan habe ich gedacht, der will nur trollen und startet eine Undercover-Kunstaktion. Das möchte ich auch nicht gänzlich ausschließen, doch scheint er dem Königreich – warum auch immer – zugetan.“

    Eine Undercover-Kunstaktion seitens Herrn Enningmas darf man wohl leider ausschließen. Im Aktuell-Teil auf seiner Homepage wird u.a. auf lupo cattivo und querdenken.tv verlinkt. Da geht es dann um „Chemtrails“, die „Flüchtlingsinvasion“, die „hochkriminellen Volksverräter in Berlin“. Alles sehr grausig, geradezu antiemphatisch, es stimmt mich doch traurig, dass ein so talentierter und ausdrucksstarker Mensch auf solche Seiten verweist. Und damit deren Inhalt wohl teilt. Ausgerechnet der „lupo cattivo-Blog“, ganz übel.
    Erklären kann ich es mir nur dergestalt, dass da ein Suchender, unzufrieden mit dem Elend auf der Welt, skeptisch gegenüber bestehenden Problemlösungsmechanismen, nach Alternativen Ausschau gehalten hat. Aufgrund der esoterischen Komponente seiner Persönlichkeit durchaus offen für irrationale Überzeugungssysteme, gerät er schnell ins Fahrwasser staatsleugnerischer und verschwörungstheoretischer Umtriebler. Eigentlich gewillt, für einen bessere Welt zu kämpfen, verschlingt ihn der dort herrschende Wellengang schließlich. Und spült ihn erst gen Wittenberge wieder an Land.

      • hab’s korrigiert :-)

        Die Links zum ekligen Lupocattivo-Blog sind mir entgangen. Das ist widerlich, auch die anderen, und lässt den Typen in einem ganz anderen Licht erscheinen. Der hat anscheinend doch nen Hau, und einen rechten dazu. Ich werd versuchen, noch bissl weiterzurecherchieren.

  3. Fazit: Ratlos

    Bildende Kunst und Esoterik stellen sich mir mittlerweile als zwei Seiten einer Medaille dar. Denn das frei an der Realität vorbei assoziieren, die Grundlage des künstlerischen Schaffens, ist angewendet auf außerkünstlerische Prozesse der Einstieg ins Irrationale. Es ist das (auch bis speziell von Künstler*n) so oft angemahnte Trennen von Beruf und Privat, das offensichtlich bei einigen Künstler*n deutlich schlechter funktioniert als bei anderen – also wie bei allen anderen Menschen auch.

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