Reichsdozententage (VI): Neugeistiges Bauen oder was?

Gestern habe ich schon einem nicht näher erklärtem Dozenten der „Akademie für Weisheit und Selbstentfaltung“ hinterherrecherchiert – heute wird’s mit dem Dozenten Dr. Michael Bergstein nicht einfacher. Dafür aber höchst spirituell.

Fängt schon mit dem Doktor-Titel an. Zwar gibt die königliche Website wenigstens einen Lebenslauf her, aber der endet leider 1997 mit dem Erwerb des Dipl.-Ing. an der TU Darmstadt. Im Netz allgemein findet sich auch nur eine Büroadresse, keine eigene Website, und bei Streetview ist das Büro unkenntlich gemacht. Böse Zungen würden lästern, dass der Architekt sein eigenes Haus scheiße findet und es deshalb … aber lassen wir das.

Was man findet, ist ein dürftiger XING-Auftritt. Und der gibt her, dass unser künftiger Dozent „für Architektur und Experte für nachhaltige und werthaltige Bauweisen mit wirtschaftlichen Heiztechniken“ in der offenen XING-Gruppe „The Secret“ Mitglied ist. Diese Gruppe beschäftigt sich mit Dunkelmeditation, Seelenheilung und Transformation und der Neugeist-Bewegung, einer Art spirituellen Schwurbelsekte, die in Deutschland wenig Beachtung findet. Zusammenhangloses Geschwafel für diese Glaubensrichtung bringt unter anderem Rhonda Byrne zu Papier, deren Buch „The Secret“ (der Kreis schließt sich) hier kurz in Schrift und da ausführlich in Ton zerknüllt wird.

Und jetzt wird auch ein Schuh draus. Ein müffelnder und löchriger zwar, mit abgelatschter Sohle und durchgescheuertem Oberleder, aber ein Schuh. Denn was auch immer der Ob-auch-immer-Doktor unterrichtet, The Secret und Konsorten passen wie die Faust aufs königliche Auge, der kein esoterisches Geblubber auslässt, das ihm in den Weg kommt.

Fazit: Dem Vielleicht-Doktor steht eine steile Karriere im Königreich bevor. Als erster Baumeister des Obersten Souveräns stehen ihm dank seiner Ausbildung alle Chancen offen, kuschelige Wolkenkuckucksheime und königliche Luftschlösser in die Tat umzusetzen. Toitoitoi.

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9 Kommentare zu “Reichsdozententage (VI): Neugeistiges Bauen oder was?

  1. Ich versteh ja, jeder hat so sein Hobby.
    Aber einer Gruppe von Nerds , die niemand kennt und letztlich auch niemanden interessiert, hinterher recherchieren?

    Was bringen zB die Infos von Teil VI?

    Wer eh mit so Spin… äh Typen sympathisiert den interessiert das nicht und was soll es denn anderen bringen? Ok, Akademie ist ein schlechter Scherz, kapiert, aber für jeden einzelnen Freak davon eine Folge?

    Da hilft nur noch der Humor-Faktor, aber da wäre mehr Arbeit am Text als an der Recherche angesagt ;)

    • Auch wenn die Reichsdozententage eher locker und fluffig daherkommen – dahinter stecken mit dem Königreich Deutschland und Peter Fitzek rechtes Gedankengut, Totalitarismus, zu tiefst antidemokratische Ideen, sekten-ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse, usw.

      Bisschen schlimmer als ne Gruppe Nerds sind die schon. Viel schlimmer. Was bringt so ein Text wie dieser? Vielleicht, dass man nicht auf jeden Doktor reinfällt, dass man auch „etablierte“ Wissenschaftler wie diesen Hörmann aus Teil V einordnen kann.

      Die Reichsbürgerei ist ja mittlerweile schon im Mainstream angekommen, wenn ein Naidoo einem Millionenpublikum seinen Verschwörungsdreck verkauft. Das im Kern dahinter stehende rechte Gedankengut erlebt zurzeit mit Pegida und Co ekligste Aufschwünge. Dagegen schreibe ich. Mal so, mal anders.

    • :-)
      Telefondesinfizierer habe ich auf XING zwar noch keine gefunden, aber man würde unserem Planeten durchaus einen Gefallen tun, die The-Secret-Gruppe auf den Mond (am besten weit daran vorbei) zu schießen.

  2. @bernd

    Ich bin überzeugt, die Reichdeppenszene ist für das Aargks ein Bisschen mehr als ein „Hobby“ . Das Aargks ist für mich DIE Adresse, wenn ich was Fundiert-Kritisches zu diesem Thema brauche.

    Das aktuelle Thema ‚Reichdozententage‘ ist für Freunde und Verwandte von Eso-Schwurbel-Opfern oder Gefährdeten sehr interessant, da diese armen blöden Opfer bekanntermaßen in jedes superdämliche „Seminar“ rennen , das sie finden können, um ihr Ich zu perfektionieren. Und so ein grauenhaftes Reichdozenten-Geschwurbel, kann ohne weiteres zur Neuen Germanischen Medizin oder auch zum Flüchtlingsheim anstecken führen, je nachdem, wie der Seminarteilnehmer tickt und wie weit er schon hirn- und emotionsmäßig verkommen ist.
    Jede Info, die ich bekommen und vielleicht weitergeben kann an einen Betroffenen, schadet ganz sicher gar nicht.
    Sehr gut gefällt mir an Aargks aktuellem Thema auch die Art und Weise, wie man doch immer wieder mal grinsen muss über so unglaubliche Dämelbrocken (neudeutsch Vollpfosten), wie diese „Dozenten“. Lächerlich machen, besser: die Lächerlichkeit rüberbringen, kann vielleicht ein Denkanstoß sein, denn Eso-Opfer sind unglaublich eitel und selbstverliebt und vertragen es nicht, wenn man über sie lacht. Ein lächerlicher Dozent hat schon die Hälfte seiner Anziehungskraft verloren und kann nicht mehr angebetet werden.

    PS: Ich würde den Begriff ‚Nerd‘ in dem von dir gewählten Zusammenhang sowohl als Sach- wie auch als Ausdrucksfehler dick rot am Rand anstreichen. Aber das mag Geschmackssache sein.

    • Das kann ich nur unterstreichen. Außerdem wäre es fatal, diesen Leuten einfach so das Feld zu überlassen. Solange Leute wie aargks, Eisenfresser, Reichling u.a. die Umtriebe solcher Leute aufs Korn nehmen, ihr Geschwurbel auseinandernehmen und sie als Scharlatane/Hochstapler/Durchgeknallte vorführen, sind die Spinnereien eben nicht das einzige, was man im Internet zum Thema findet. Und damit hat man erst die Chance, sich zu informieren.

      Gäbe es nur Texte aus dem Inneren der reichsideologischen Filterblase, könnte ein unvoreingenommener, der dem Thema zum ersten Mal begegnet, einen völlig falschen Eindruck bekommen und von diesen Leuten beeinflusst werden. Wenn auch Gegenmeinungen zu finden sind, besteht die Chance, den einen oder anderen abzufangen.

      Wer schon weiß, was von der Reichsbürgerei zu halten ist, muss das ja hier nicht lesen. Oder liest es zum Amüsieren, je nach Stil. Und im reichsidelogischen Dunstkreis gibt es so absurde Behauptungen und Ideen, dass das jede Menge zum Lachen hergibt.

  3. Ich sprach nicht vom Feld überlassen!

    Aber wenn der König so erfolgreich ist und damit so gefährlich, warum duempelt er in einer Ruine mit ein paar (wievielen eigentlich?) Jüngern rum?

    Es gibt aktuell wirklich relevante Diskussionen in diesem Land und auf mich wirkt es immer so nach Freakshow hier. Völlig unbedeutende Freaks – die zugegebenermaßen unterhaltsam skurril sind – werden hervorgezogen und bekommen mehr Aufmerksamkeit als sie verdienen.

    Aber jedem sein Hobby bzw Lieblingsthema.

    • Bestens, nicht das Feld überlassen tun Leute wie aargks diesen Freaks. Nicht drüber zu schreiben wäre, ihnen das Feld zu überlassen. Sehe ich da einen kleinen Widerspruch?

      Klar, die Welt rettet aargks mit dieser Reihe wohl nicht. Vermutlich nicht einmal unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Und Hobby bzw. Lieblingsthema kann man diese Beschäftigung sicher nennen, und?

      Natürlich bleibt es jedem unbenommen, sich den wirklich wichtigen, den eigentlich relevanten, den dringlichst drängenden Themen zu widmen. (Damit sind sämtliche deutschlandbezogenen Themen erstmal vom Tisch, wir sind ja nur eines unter 200 Ländern und eines, das im internationalen Vergleich kaum ernstzunehmende Probleme hat). Wir sollten vielleicht eine Kommission bilden, die eine Rangordnung der anstehenden Probleme feststellt.

      Dann werfen wir ausnahmslos alle Ressourcen (einschließlich ehrenamtlichen Engagements) auf Punkt 1 der Liste werfen. Wenn die Klimaerwärmung dann beseitigt ist, ziehen wir alle zusammen am nächsten Strang, sagen wir: Internationaler Terrorismus. Dann ABC-Waffen usw. Und irgendwann gegen Ende dann die Reichsbürgerei, wenn nun wirklich nichts wichtigeres mehr übrig ist.

    • „Aber wenn der König so erfolgreich ist und damit so gefährlich, warum duempelt er in einer Ruine mit ein paar (wievielen eigentlich?) Jüngern rum?“

      Inzwischen dümpelt er herum. Zuvor hatte Herr Fitzek allerdings überaus ausreichend Gelegenheit, im größeren Maßstab das Geld, die Lebenszeit und die Arbeitskraft seiner -vorsichtig ausgedrückt- gutgläubigen Anhängerschaft zu verbrennen. Man schaue sich die vormaligen, allesamt gescheiterten Projekte an, man lese die Berichte ehemaliger Mitstreiter, welche von groteskem Missmanagement berichten. Schließlich hat dem selbsternannten König die BaFin seine restlichen Spielzeuge weggenommen. Seitdem werkelt man auf Subsistenzniveau. Wenn die Artikel und Dokumentationen auf diesem Blog dazu beitragen, dass dies so bleibt, und nicht wieder ein verblendeter Spender mehrfach sechsstellige Beträge zur Verfügung stellt, weil ihm nicht bewusst ist, mit wem er es zu tun hat, dann wäre durchaus eine Menge erreicht. Denn es haben sich schon ausreichend viele Menschen ihre Zukunft versaut.

      Zudem: Ein nicht unerheblicher Teil der sich im Rahmen des Königreichs Engagierenden tut dies in der ehrlichen Bestrebung, eine positive Veränderung herbeizuführen. Man hat einen gesellschaftlichen Missstand erkannt (oder mehrere) und möchte an einer Verbessung mitarbeiten. Anstatt dass diese Zeitgenossen nun ihre Energien in realistische Bahnen lenken, um die erkannten Missstände beheben zu können, vergeuden sie ihre Kraft in vollkommen aussichtslosen, von Größenwahn und Fundamentalopposition geschmierten Projekten. Welch ungeheure Verschwendung.

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