Reichsdeppenolympiade, Tag 4

Am vierten und letzten Tag der Reichsdeppenolympiade stehen wieder viele Entscheidungen an. Wird Xavier N. das  Kunstspringen vom 3-Meter-Brett-vorm-Kopf für sich entscheiden? Wie geht das Gerichtsvollzieher-Boxen aus? Und wer gewinnt im Reichsbürgerschießen? Das und den Ausgang weiterer Disziplinen werden wir in den nächsten Minuten erfahren.Als erstes geht im Strafzettelstoßen ein Kandidat namens Putzhammer an den Start, er hebt, stößt, und da fällt er mitsamt dem Grundgesetz, es ist ein Jammer. Wieder gewinnt das Bundesverfassungsgericht, das zwar nicht zu den Bewerben gemeldet ist, auch überhaupt nichts mit Strafzetteln am Hut hat, sich dennoch freut. Auch das NWO-Spiegelfechten wird  nach dem dramatischen Halbfinale aus dem Wettbewerb genommen, alldieweil der  Doppelvierer ohne Sinn und Verstand an Diplom-Dennis geht, während – was für eine Überraschung! – im Tote-Pferde-Reiten Matthes Haug aus der Versenkung kommt. Gespannt erwartet werden die Disziplinen Gelber-Schein-falten, 3-Cent-Gefangenenpost-Briefmarken-lecken, Faselfußball und Argumentationsbogenschießen.

Aber jetzt endlich! Hier kommt die ultimative reichsbewegte Disziplin, auf die alle gewartet haben, das Finale im Reichsbürgerschießen! Es treten an: Adrian Ursache und Wolfgang Plan.

STOP.

 

STOP!

 

 

STOP.

 

 

 

Bis hier war war die Reichsdeppenolympiade lustig, bis hier war sie harmlos, es sind halt Spinner, manche rechts und viele doof, teils unpolitische Geschäftemacher, teils intellektuell mehr als eingeschränkte Zeitgenossen, die den Geschäftemachern auf den Leim gehen, ein paar Hardcore-Nazis auch dabei, und ja, sie fluten die Behörden mit ihren unsinnigen Thesen und halten den Betrieb auf, so weit, so lästig.

Aber nun wird es tödlich. Das ist kein Spaß mehr, das ist nichts mehr, worüber man sich belustigen kann in einer Reichsdeppenolympiade. Ab hier wird es tödlich, tödlich, tödlich, ab hier ist es ekelhaft, widerlich und brechreizend.

Adrian Ursache, ein ehemaliger Mister Germany, hat im August 2016 auf Menschen geschossen und einen mit seiner Schusswaffe verletzt. Wolfgang Plan hat im Oktober ebenfalls auf Menschen geschossen – und einen 32 Jahre jungen Polizisten getötet.

Ein Mensch ist tot, weil ein Irrer beschlossen hat, dass er auf dem Territorium eines eigenen Staates lebt. Ein Mensch ist tot, weil der Irre Waffen und Munition daheim angehäuft hatte und die Waffen benutzte, als man sie ihm wegnehmen wollte, weil er offensichtlich nicht dazu geeignet war, diese zu besitzen.

Wo wart Ihr, als Ihr 32 Jahre alt wart? Was habt Ihr gemacht, gedacht und gelebt, als Ihr 32 Jahre alt wart? Als das aargks 32 Jahre alt war, hatte es eine Dekade von Sex & Drugs & Heavy Metal & Klassik hinter sich gehabt. Und es war schön und es war gut. Und das aargks war nach einem Studium bereit, die Welt zu erobern, und das aargks hat die Welt erobert und nicht nur das, auch Kinder hat das aargks, es ist mühsam, schön, grausam, wunderbar, das Leben lebt und tobt und bloggt und …

… der getötete Polizist wird dies alles niemals erleben.

Eine Mama und ein Papa weinen um ihren Sohn, den sie großgezogen haben, dessen Geburt, seine ersten Schritte, die ersten Worte, Fahrrad lernen, Kindergarten, Einschulung, Lesen und Rechnen, Stolz, so stolz sein auf das Kind, das sich entwickelt, das sich emanzipiert, das eine Ausbildung oder ein Studium absolviert, das immer Kind bleibt trotz alledem, die Angst um den Sohn, wenn er mit Vier auf das Fahrrad steigt, wenn er mit 25 im Auto Platz nimmt, es ist und bleibt das Kind, das eigene, das man – als es schlief, endlich, wegen des Zahnens – nur anschaut und in tiefster Liebe versinkt. Das Kind, dem man gerade noch auf die Schürfwunde am Knie gepustet hat, und das jetzt schon den Führerschein hat, das auf einmal ein eigenes Leben beginnt, das Kind, das nicht mehr schutzbedürftig ist, – und dann der Schuss.

Einer Mama und einem Papa ist ist das Kind genommen. Jeder und jede Elter weiß, das ist das Schlimmste. Es ist das ultimativ wahnwitzigste, furchtbarste und unvorstellbarste Ereignis. Auf einmal ist das Kind weg. Es ist nicht mehr, der Sohn ist tot, getötet, aus, vorbei. Das Kind ist tot. Auch der Freund ist tot, der Kollege, der Liebhaber – weg, aus und vorbei.

Die Reichsdeppenolympiade endet hier in tiefer Trauer. The Games shall not go on.

 

 

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Ein Kommentar zu “Reichsdeppenolympiade, Tag 4

  1. Das ist auch ungefähr meine, sagen wir, Rezeptionskurve. Bis vor kurzem waren die Reichsspinner überwiegend harmlos, und die weniger harmlosen waren Zündler, Volksverhetzer, Volksverdummer und Leute, die mit ihren Anfällen von Verbaldiarrhoe Behördenmitarbeiter in den Wahnsinn trieben und allen möglichen Leuten die Zeit stahlen, aber wenig echten Schaden anrichteten. Schon bei Ursache fing das Blatt an sich zu wenden. Als dann der Polizist starb, kippte das Ding, und jetzt hört man gefühlt ständig von solchen Sachen, auch wenn es seit Georgensgmünd erst ein oder zwei Fälle gegeben hat.

    Es ist kein Spaß mehr, und es ist schlimm, dass erst jemand sterben musste, bevor das durchgesickert ist. Ich hatte die grundsätzlich schon für gefährlich gehalten, aber eher abstrakt. Dass das jetzt so konkret Gestalt annimmt, hatte ich nicht erwartet. Scheiße!

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