Es wird kein Bargeldverbot 2018 kommen (4): Querschwurbel-TV pingbackt das aargks

Ich bin im Olymp der medialen Alarmistenszene angelangt. Eine durchaus fragwürdige Ehre, aber das aargks geht ja gern dahin, wo’s weh tut. Am 1. Juni 2017 schrub Niki Vogt auf Quer-Denken-TV einen empörten Bericht über das Bargeldverbot und regt sich über Verschwörungspraktiker mit Link zum aargks auf. Eine Steilvorlage, die ich gerne verwandle.

Kurze Vorrede: Niki Vogt ist die Frau vom Mann und der Internet-Sender „Quer-Denken TV“ gehört zu jenen Segnungen der freien Meinungsäußerung, die selbst beim aufgeklärtesten Geist die Frage aufwirft, ob man sich damit auf den richtigen Weg begeben hat. Naja, hat man schon.

Nun hat sich Ehepaar Vogt die Mühe gemacht, zu recherchieren. Ein löbliches Unterfangen, denn anstatt einfach nur zu behaupten, „das Bargeld wird abgeschafft, wir werden alle sterben!!111!!einself!“, stellt es Fragen. Es geht um diesen Beitrag der Querschießer, der mit der Überschrift …

Antwort von der Deutschen Bundesbank – Niemand hat die Absicht, das Bargeld abzuschaffen!

… daherkommt.

Die Quervogtlerin leitet ihren Bericht ein mit …

Wie wir berichtet haben, gab es große Aufregung wegen Meldungen, es gebe ab 01. Januar 2018 komplettes Bargeldverbot – also überhaupt kein Bargeld mehr.

Kurzer Blick aus dem Fenster: Mnja, schreiend rennen brennende Menschen in Panik auf der Straße umher und postulieren das Ende der Welt. Nicht.

Weiterhin erklärt die Querbloggerin, dass es in Indien große Komplikationen gab, nachdem 80 Prozent des Bargelds „aus dem Verkehr“ gezogen wurde. 80 Prozent des Bargelds futsch, das kenne ich nur aus üblen Kneipennächten (aus der wilden Jugend, versteht sich, heute ist man ja seriös), und das stimmt schon mal nicht. Denn sie vergisst zu erwähnen, dass das Geld nicht abgeschafft wurde, sondern dass es sich um einen Zwangsumtausch der größten (500- und 1.000-Rupien-Scheine) Banknoten handelte. Die Ideen dahinter seitens der Regierung: Kriminalität und Schwarzgeld eindämmen, die Menschen zu Kontoeröffnungen zu bewegen, 3Sat nennt das finanzielle Inklusion, und hieraus wiederum mehr (berechtigte) Einkommenssteuer zu generieren, außerdem den maroden Banken mehr liquide Mittel bereitzustellen. Über das ein oder andere Motiv darf herzlich gestritten werden, über die Zeitschiene ebenso, das soll hier aber nicht Thema sein.

Die Querschreiber haben es aber immer schon gewusst, weil ja auch in Deutschland ab 1. Januar 2018 das Bargeld wegenommen werden soll, also schreiben sie besorgt die Deutsche Bundesbank an – und ich persönlich wundere mich ein wenig ob solch seriöser Recherche, hätte man doch erwartet, auf Wirtschaftswissenschaftler der Youtube-Universität verwiesen zu werden.

Sechs Fragen hat sich der Mann der Frau erdacht, und gleich die erste zielt voll ins Schwarze des Themas: „1) Wird es ab 01. Januar 2018 ein komplettes Bargeldverbot geben?“ Bämm, gut gemacht, darum geht es schließlich.

Die weiteren Fragten lauten:

2) Falls die Frage 1 verneint werden kann: Wird es ab 01. Januar 2018 neue Verschärfungen, Restriktionen oder Einschränkungen der Bargeldzahlung geben?
3) Steuert die EU in Richtung Bargeldverbot / Bargeldlosigkeit und, wenn ja,
4) Welchen zeitlichen Fahrplan hat die EU, um dieses Ziel zu erreichen und welche Schritte sind geplant?
5) Welchen Standpunkt nimmt die Deutsche Bundesbank zu den Bestrebungen der Bargeldabschaffung ein?
6) Interessanterweise besteht ja immer noch die Möglichkeit, die D-Mark bei der Bundesbank in Euro einzutauschen. Unseres Wissen nach ist diese Möglichkeit zeitlich unbegrenzt gegeben. Wäre es auch bei Bargeldlosigkeit möglich, weiterhin DM-Bargeld bei der Bundesbank in Euro einzutauschen und auf sein Konto überweisen zu lassen?

Die Antworten der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bank lauten zusammengefasst:

  1. Nein
  2. damit obsolet
  3. Nö.
  4. damit obsolet
  5. Gibbet nich. Wer Bargeld will, soll Bargeld haben.
  6. siehe 1 bis 5 (wurde gar nicht drauf eingegangen, erklärt sich ja aus den vorangegangenen Antworten).

Das aargks hätte die Antworten so interpretiert: Uff, hab ich wohl was in den falschen Hals gekriegt, mein Bargeld ist sicher (es sei denn im Falle einer üblen Kneipennacht). Thema durch, das nächste bitte.

Nicht so der nach eigenen Angaben „größte Alternative [sic] Internet-Fernsehsender im deutschsprachigen Raum“. Oh nein. Man beruft sich auf einen FAZ-Artikel, der sich nicht entblödet, sich auf das maue Werk eines Handelsblättlers zu berufen – und das aargks reibt sich verwundert die Äuglein, dass Querstuss-TV die Lügenkresse zitiert. Dann immer wieder Häring (der Handelsblättler von oben), unter anderem mit der steilen These, dass USAID, eine Behörde zur internationalen Entwicklung, „Catalyst“ gegründet habe, ein Projekt (english), um die bargeldlose Abwicklung von Geldgeschäften in Indien vorwärts zu bringen, um allen unsere geliebten Rupien, Euronen oder Dollars wegzunehmen.

„HA!“, ruft der Querdingsbums und folgert messerscharf, dass der Sinn der Übung darin bestand, Zitat

„[…]mit einem Schlag für eine begrenzte Zeit das ‚Bargeld-Ökosystem‘ zu zerstören und danach allmählich trocken zu legen.“

Beweisführung abgeschlossen.

Warum haben die Quertippsler eigentlich bei der Deutschen Bank angefragt, wenn sie deren Antworten ignorieren? Egal, denn jetzt folgt das Mimimi, denn Zitat:

„Wir werden gern ‚Verschwörungstheoretiker‘ gescholten.“

Oh wei, wer macht denn so was? Das aargks natürlich, dieses subversive, naturalistische Schwein an der Zitze des internationalen Kapitals! Denn hier pingbackt die Queru-TV-Tante auf den Beginn einer wunderbaren Freundschaft den ersten Artikel der wunderbaren aargks-Reihe zum Bargeldverbot. Und sie jammert weiter, Zitat:

„Nun, hier sehen wir die Verschwörungspraktiker mit List und Tücke am Werk.“

Weh mir, ich bin durchschaut. Ich gestehe! Ich bin Teil einer listigen und tückischen Bewegung, und ja, ich sage es hier einmal freiweg und oute mich für immer und ewig, auf dass der Bannstrahl der Verquer-Denker mich niederstrecken möge: Es ist diese üble List und Tücke, der ich verfallen bin, und die manche unter dem nebulösen Wort „Logik“ kennen. Üble Sache das. Aber weiter im Text, Zitat:

„Es gibt ganz unverkennbar weltweit Bestrebungen, das Bargeld abzuschaffen und das wird auch von den Promotoren klar gesagt.“

Ähhhh. Nein? Ein paar Leutchen behaupten das, und Promotoren wären zum Beispiel die Deutsche Bank. Kurz zurückerinnert, die Antworten lauteten: Nö. Aber, Zitat:

„Die Deutsche BUndesbank sollte das nicht wissen? Kaum vorstellbar.“

Ja, jetzt kriegt die Queristin die Kurve: Eine Akteurin wie die Deutsche Bundesbank würde es wirklich wissen, wenn Bargeld abgeschafft würde. Tusch, Händeschütteln und Zuckerle! Leider ist die Frau vom Mann nicht in der Lage, aus ihrem eigenen Rückschluss eine korrekte Folgerung zu ziehen. Sie geht auch nicht darauf ein, sondern jammert darüber, dass Frage 6 nicht beantwortet wurde, reitet noch ein wenig auf der guten alten D-Mark rum und schließt prophetisch, Zitat:

Es wird sich bei Bargeldlosigkeit sowieso früher oder später eine Ausweichwährung herausbilden. Ich tippe auf Edelmetalle.“

Ich tippe darauf, dass mir ab 1. Januar 2018 mein Bargeld in üblen Kneipennächten weggenommen wird.

Aber da im Hause Vogt das aargks zur Lektüre gehört (sehr löblich im Übrigen), hab ich auch sechs Fragen an Niki und Michael:

  1. Möchten Sie Ihre Leser als dumm verkaufen?
  2. Falls die Frage 1 verneint werden kann, wird es neue Verschärfungen, Restriktionen oder Einschränkungen der Intelligenz Ihrer Leserschaft geben?
  3. Steuert „Quer-Denken TV“ in Richtung Verdummung seiner Leserschaft und wenn ja,
  4. Welchen zeitlichen Fahrplan hat „Quer-Denken TV“, um dieses Ziel zu erreichen und welche Schritte sind geplant?
  5. Welchen Standpunkt nimmt „Quer-Denken TV“ zu den Bestrebungen der Verdummung der eigenen Leserschaft ein?
  6. Interessanterweise besteht ja immer noch die Möglichkeit, „Quer-Denken TV“  beim Internet in ZEIT, SPIEGEL oder aargks einzutauschen. Unseres Wissen nach ist diese Möglichkeit zeitlich unbegrenzt gegeben. Wäre es auch bei einer fortschreitenden Verdummung der Leserschaft von „Quer-Denken TV“ möglich, weiterhin „Quer-Denken TV“  beim Internet in taz, Süddeutsche oder aargks einzutauschen?

Die Antworten bitte im Kommentarfeld hinterlassen. Es dankt, das aargks.

 

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