11er des Monats: Kreationismus

Der erste 11er des Monats dreht sich um eine ganz besondere Spezies der Gläubischen: Die Kreationisten *grusel*. Aber was red ich, los geht’s mit dem ersten Gastbeitrag von naturundwirtschaft:

Argumente Kreationisten Teil1

ein 11er des Monats von naturundwirtschaft

Als erstes möchte ich über einen meiner Lieblingsfeinde sprechen: Die Kreationisten! Es ist Sinnvoll meine Reihe mit ihnen anzufangen, da jede der Personengruppen in der Serie sich auf Dogmen begründen. Und welche Dogmen sind leichter zu erkennen als die religiösen. Aber vielleicht erst einmal eine kleine Erklärung was Kreationisten überhaupt sind. Genau wie andere Einteilungen von Menschen in Gruppen gleichen Merkmals, besitzt auch diese eine gewisse Inhomogenität. Gleich ist, dass sie sich auf einen Schöpfergott (oder anderes Schöpferwesen bei den Intelligent Designern) berufen, der anders als die Evolutionstheorie besagt, die heutige Artenvielfalt erschaffen hat. Das war es eigentlich auch schon mit der Gemeinsamkeit. Jetzt kommen die Unterschiede bzw. die unterschiedlichen Gruppierungen und was diese glauben.

Da gibt es einmal die Junge-Welt- oder Junge-Erde-Kreationisten, die die Bibel, Thora oder Koran (ja es gibt sie in jeder semitischen Religion) wörtlich nehmen und meinen, dass die Erde erst rund 6000 Jahre alt ist. Früher gab es in dieser Gruppierung noch eine radikalere Seite (ja das geht), die auch noch behauptete, dass die Erde Flach sei, die so genannte Flat-Earth-Society. Auf diese werdet ihr aber vermutlich nicht treffen. Ich selber bin so einem zumindest noch nicht begegnet. Deswegen werde ich hier keine Argumente einer flachen Erde diskutieren. Aber wieder zurück zum Kern dieser Gruppe. Da sie ihre heiligen Schriften wörtlich nehmen meinen sie, dass das Leben bzw. sogar die gesamte Existenz von Gott innerhalb von 6 Tagen (bei den Muslimen bin ich mir nicht so sicher) erschaffen wurde. Die Argumente dieser Gruppe sind zumeist am leichtesten zu widerlegen, aber die Anhänger dieser, nennen wir es mal sehr schmeichelhaft Hypothese, sind auch am schwierigsten zu überzeugen. Da kann man noch so viele Beweise bringen. Das Ergebnis dieser Diskussion wird immer darauf hinauslaufen, dass man oder Wissenschaftler der Lüge bezichtigt oder sogar im Zusammenhang mit dem Teufel gebracht werden.

Wo wir auch schon bei unserem ersten Argument wären:

Kreationist: Der Teufel hat die Fossilien vergraben, um die Menschen in die Irre zu führen!
Ich: Hier ist es Sinnvoll selbst einmal Beweise zu fordern. Denn selbst in der Bibel oder einer anderen religiösen Schrift steht nirgendwo: Der Teufel hat Fossilien vergraben. Oder zumindest etwas, dass man so auslegen könnte. Natürlich ist die Bibel kein richtiger Beweis, aber es ist nicht schlecht so jemandem auf seinem eigenem Terrain zu schlagen.

Kreationist: Die Fossilien sind schlagartig bei der Sintflut entstanden! (Ja! Selbst innerhalb einer Kreationistengruppe sind die Argumente inkonsistent.)
Ich: Man weist die Kreationisten darauf hin, dass die Fossilien in verschiedenen Erdschichten gefunden wurden, was auf ein verschiedenes Alter hinweist. Auch sollte man hier gleich verschiedene Datierungsmethoden nennen (z.B. Datierungen mittels Isotopenzerfall, Warvenchronologie, Magnetostratigraphie, Radiokohlenstoffdatierung auch C14-Datierung genannt, Dendrochronologie, etc.), denn sonst werden die Kreationisten versuchen die Datierungsmethode zu diskreditieren (machen sie vor allem mit Vorliebe bei der C-14-Methode). Da sich die einzelnen Datierungsmethoden nicht widersprechen ist dies ein handfester Beweis.

Das sind eigentlich schon die einzigen Argumente, die von dieser Kreationistengruppe gepachtet wurden. Dann haben wir noch die “normalen” Kreationisten, die zwar das richtige Alter der Erde akzeptieren, aber nicht die Evolutionstheorie. Und am schlimmsten die Intelligent Designer. Im Unterschied zu anderen Kreationisten benutzen sie wissenschaftlich klingende Wörter um die Evolutionstheorie zu diskreditieren und behaupten (damit man sie nicht mehr als Kreationisten erkennt), dass es ein Schöperwesen anstelle eines Schöpfergottes gegeben hat.

Die weiteren Argumente benutzen eigentlich alle Kreationistengruppen:
Kreationist: Es wurden noch keine Zwischenformen gefunden. (Kreationisten denken, dass ein Krokoduck [Zwischenform zwischen Krokodil und Ente] müsste laut der Evolution existieren)
Ich: Man nennt ihm gut ein dutzend Zwischenformen wie den Archeopteryx, den Quatenflosser, den Urlurch, etc.. Wenn er wirklich will, dass du ein Krokoduck zeigst, kannst du das Gespräch abbrechen. Denn dein Gegenüber hat dann keinen blassen Schimmer von Evolution.Weise ihn einfach darauf hin, dass es nach der Evolution keine Krokoducks geben kann und er sich mit der Evolution auseinandersetzen möchte, bevor du mit ihm weiter diskutierst.

Darauf hin der Kreationist (wenn er den Krokoduck nicht nennt): Das sind keine Zwischenformen. Er wird dir jetzt vermutlich Fossilien von Tieren zeigen, die sich nicht verändert haben, um darauf hin zu weisen, dass sich Tiere nicht verändern.
Ich: Stelle die Frage: Warum gibt es noch Engländer obwohl es Amerikaner gibt? Beantworte deine eigene Frage: Lebewesen in stabilen ökologischen Nischen stehen nicht unter einem Selektionsdruck, so dass sie sich nicht verändern müssen um zu überleben. Manchmal spalten sich Populationen von einer Art ab z.B. durch Katastrophen und finden sich in einer anderen ökologischen Umgebung wieder. Jetzt herrscht ein oder mehrere Selektionsdrücke und die Lebewesen verändern sich. So können zwei verschiedene Arten entstehen. Normalerweise sollte man nicht mit Gegenfragen antworten, da es keine Beweise sind, aber es hilft sein Gegenüber zum Denken anzuregen.

Kreationist: Wo ist denn jetzt die Zwischenform zwischen den Zwischenformen? (der Kreationist wird nie zufrieden sein, egal wie viele Zwischenformen du ihm zeigst. Er wird bei jeder Form die du ihm zeigst nur 2 neue Lücken sehen.)
Ich: Weise ihn darauf hin, dass Fossilien nur sehr selten entstehen und es unmöglich ist jedes Lebewesen, dass auf der Erde existiert hat als Fossil zu finden. Frage ihn dann wie viele Zwischenformen er haben möchte, um die Evolution zu akzeptieren. Wenn er sagt: Alle oder eine verdammt hohe Zahl, dann breche das Gespräch ab. Ansonsten gibst du ihn die Anzahl der Zwischenformen.

Kreationist: Lebewesen können sich nicht von einer Art zur anderen Art entwickeln.
Ich:Gebe ihm die Information, dass die Menschen sich Begriffe wie Arten und Rassen ausgedacht haben um zu Kategorisieren, dass diese Grenzen aber zum Teil fließend sind. Gutes Beispiel ist hier Pferd und Esel und/oder Wolf und Hund.

Kreationist: Mikroevolution gibt es (Wolf zu Hund). Aber Makroevolution (Dinosaurier zu Vogel) gibt es nicht, da es nie beobachtet wurde.

Ich: Sage ihm, dass man nicht alles beobachten muss und es auch andere Beweise gibt. Die Summe vieler mirkoevolutionärer Veränderungen ergibt Makroevolution. Zeige ihm, dass es doch schon beobachtet wurde (http://www.newscientist.com/article/dn14094-bacteria-make-major-evolutionary-shift-in-the-lab.html).

So, ich habe keine Lust mehr und werde mit einem Teil 2 und vielleicht einen Teil 3 für Kreationisten weiter machen. Denn das sind noch lange nicht alle Argumente von Ihnen, da gibt es z.B. noch den ganzen Bereich der Genetik.

Startegie und Hntergründe: Bevor ich aber Schluss mache möchte ich euch noch etwas zu der Strategie und den Hintergründen von Kreationisten erzählen. Anstatt Beweise für ihre eigene Hypothese zu nennen, versuchen sie einfach die Evolutionstheorie zu diskreditieren. Denn es gibt nämlich keine Beweise für den Kreationismus. Wenn du das Gespräch kurz machen möchtest, dann frage einfach nach Beweisen ihrer Hypothese. Das einzige Argument, was sie bringen könnten ist das Watchmakerargument¹, worüber ich im nächsten Teil auch noch reden möchte und vielleicht ihr heiliges Buch.

Des weiteren stellen sie viele Fragen. Dadurch können sie auch geübte Wissenschaftler in Bedrängnis bringen. Die Evolution ist ein sehr komplexes Thema und es wird kaum jemanden geben, der alles von ihr beantworten kann und das wissen Kreationisten.

Sie suchen Lücken in der Evolution und setzen dafür einfach Gott ein. Dass sich Kreationisten oft selbst widersprechen, ist ihnen übrigens egal. Alles ist erlaubt, um die Evolutionstheorie in den Dreck zu ziehen. Hintergründe gibt es viele. Ein wichtiger ist die Angst, dass dadurch ihr Glauben zerstört wird und ihnen bewusst wird, dass sie keine unsterbliche Seele haben. Der Angst vor dem Tod also. Oft sind sie aber nur von ihrem sozialen Umfeld indoktriniert. Wenn alle Leute um dich herum sagen (und sogar mit Strafen drohen wenn du was Gegenteiliges behauptest), dass du Napoleon Bonapart bist, dann glaubst du es auch irgendwann. Letztendlich sind einige (lange nicht alle) Kreationisten ein Opfer einer faschistischen Erziehung.

1. http://en.wikipedia.org/wiki/Watchmaker_analogy

Eigene Interpretation

Nachtrag: Alle, die ein wenig Englisch verstehen, empfehle ich diese Seite: http://www.talkorigins.org/

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6 Kommentare zu “11er des Monats: Kreationismus

  1. Und das sind noch die harmlosen Dinger… wer es wirklich fies will sollte sich mal Geschichten wie Moon-Bukkake aus der Creationisten Ecke angucken. Youtube hilft hier weiter.
    Oder aber Thunderfoots Why do people laugh about creationists. Da hat man in einer Serie den größten Creatard-Blödsinn gesammelt ;-)
    Hiermit ergeht aber Kaffee-Warnung.

  2. Feine kompakte Abhandlung von naturundwirtschaft. Ich bin vorfreudig gespannt auf den zweiten Teil.

    Bei jenen Kreationisten, mit denen ich die Ehre des Vergnügens eines Austausches hatte, kam neben der religiösen Komponente immer auch das mir von vielen Verschwörikern leidlich bekannte Megachecker-Syndrom an die Oberfläche.
    Während sich die evidenzbasierte Wissenschaft im Klein-Klein der Micro- und Makrosystemanalysen aufreibt, nahmen jene Kreationisten einmal schwungvoll Anlauf, übersprangen den ganzen Mist und landeten federweich im Daunenlager der unumstösslich empfundenen Wahrheit. Man weiß ja, dass die eigene Ansicht vollkommen richtig ist, was braucht es da Beweise. Dementsprechend mitleidig war der Austausch in meine Richtung.
    Den Vogel dahingehend abgeschossen hatte ein Zeitgenosse, der sich gleichmütig meine Argumentationen anhörte, mir aber ebenso gleichmütig zu verstehen gab, dass er mich für eine von Gott gesandte Prüfung hielt, die seine Festigkeit einer Nagelprobe unterziehen sollte. So hat halt jeder seine Hobbys.

    @Munifex.
    Eine schöne Ergänzung. Ich würde hinsichtlich „Why do people laugh about creationists“ allerdings nicht nur eine Kaffeewarnung aussprechen, sondern auch die Bereitstellung eines Sauerstoffgeräts empfehlen. Ich bin jedenfalls vor atemloser Sprachlosigkeit blau angelaufen.

  3. Zum Claim „Der Teufel hat die Fossilien vergraben, um die Menschen in die Irre zu führen!“:
    Manche Creationisten behaupten auch, daß dies durch Gott geschah um den Glauben zu testen.

    Das Grundproblem besteht bei den Kreationisten darin, dass sie ihre Behauptungen immer wiederholen (wenn man etwas nur oft genug wiederholt wird es zur „Wahrheit“). Und es ist zugegebenermaßen schwierig sich jedesmal den gleichen Schmuh anhören zu müssen. Es gibt aber systematische Hilfe:

    http://www.talkorigins.org/indexcc/list.html

    Bye
    costamojan

    • es gibt noch die etwas weitergehende Ansicht dass der Teufel als gottähnlicher aber abgefallenener Engel die Erde geschaffen hat und Gott nun versucht das Beste draus zu machen.
      Eine nicht unelegante Erklärung für das Schlechte das manchmal sogar noch belohnt wird bzw für die Theodizee

  4. Das trifft auf alle Fundamentalisten zu. Egal welcher Stilrichtung.
    Argumentieren, Logisch Diskutieren und Hinterfragen führt da leider zu nichts.
    Man bekommt nur immerwieder die gleichen Behauptungen und Glaubenssätze zurück.

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