Bundestagswahl 2013: Abschluss Schwurbel-Check

Der Schwurbel-Check ist fertig, das aarggks ernüchtert und hat viele Fragen, die hoffentlich bei den Kommentaren Antworten finden. Doch zum Abschluss erstmal eine Zusammenfassung. Das Schwurbel-o-Meter schwingt aus bei Verschwörungstheorien: Wenn monothematisch Schuldige ausgemacht werden (das Kapital, die Ausländer, das Patriarchat etc.). Das Schwurbel-o-Meter schlägt aus, wenn das Wesen, das wir verehren ins Spiel kommt. Das Schwurbel-o-Meter vibriert massiv, wenn Eso-Kram, Höbbadddie© und Konsorten zur Heilung oder zur Erleuchtung etc. dienen. Kurz: Wenn der Logik ins Gesicht gespuckt wird und all das Schöne, Faszinierende, das rationales Denken mit sich bringt, mit Füßen getreten wird.

Der Schwurbel-Check hat mich einigermaßen ernüchtert. Nicht, dass ich bei den Violetten so etwas wie Realitätssinn vermutet hätte. Nicht, dass ich bei ewig Gestrigen so etwas wie Nachdenken vermutet hätte. Dafür bin ich ja auch gleich als bezahlter Neoliberalist, der Menschen vergast von einem Linksabbieger beschimpft worden. Das rechte Gesocks wiederum war es mir im Übrigen nicht wert, einer Schwurbel-Bewertung zu unterziehen, weshalb die bekannten Nazi-Parteien nicht auftauchen.

Was mich umtreibt: An den so genannten Volksparteien sieht man erschreckend, wie sehr irrationales Denken in weiten Teilen der Gesellschaft verankert ist. CDU/CSU tragen ihre christlichen Werte wie eine Monstranz vor sich her, in den meisten Parteien ist eine undifferenzierte Haltung gegenüber der Höbbaddie© auszumachen. Und wenn sie auch kein klares Bekenntnis für das Kasperwasser abgeben, so merkt man doch, wie sehr sie sich um eine klare Aussage rumdrücken. Auch eine Stellungnahme gegen all das Gläubische findet man nicht, im Gegenteil wird stets betont, wie wichtig es doch sei, offen mit Religionen umzugehen. Kein Wort, wie Religionen abgrundtiefen Hass lehren, die Anders- oder Ungläubigen ausgrenzen und Menschen in widerwärtigster Weise gegeneinander aufhetzen.

Was bleibt? Rein nach Schwurbel-Kriterien sind fünf Parteien unauffällig: Mit „Bündnis21/RPR“ und „RENTNER Partei Deutschland“ zwei Seniorenparteien, dazu die Familien-Partei, die Satiriker von „Die PARTEI“ und die D-Mark-Nostalgiker der AfD (im Nachhinein frage ich mich, weshalb die eine grüne Weste davon getragen haben, aber nunja, wenn kein Geschwurbel im Check-Sinne im Wahlprogramm stand, hat das Schwurbel-o-Meter auch nicht ausgeschlagen).

Doch wer ist denn nun wählbar, rein nach Schwurbelkriterien? Eine Übersicht bietet die Grafik (ohne das rechte Gesocks, wie gesagt, und ohne die unsägliche FDP, deren sagenhafter Opportunismus mich ankotzt).

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Für mich persönlich fängt die Verarsche an bei allen Parteien, die eine Berwertung über „Naives Geschwurbel“ bekommen haben. Aber nun sollten ja auch weitere Faktoren eine Rolle spielen, wo man sein Kreuzchen macht, weshalb unter Umständen doch noch eine andere Partei ins Spiel kommen könnte. Könnte. Ich bin ratlos.

Und Ihr? Wen wählt Ihr? Wie wichtig ist Euch der Schwurbel-Faktor? Was sind Eure Präferenzen und wie weit könnt Ihr gehen, eine Partei trotzt eventueller Schwurbeleien zu wählen, weil andere Themen wichtiger für Euch sind? Ich freue mich über viele Anregungen und Kommentare!

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14 Kommentare zu “Bundestagswahl 2013: Abschluss Schwurbel-Check

  1. Na ja, extreme Linke, auch wenn sie ja oft Anti-Eso sind (außer enttäuschte Alt-Linke), dürfte die Grafik / der Test wenig sagen, da sie ja schon aufgrund ihrer politischen Gesinnung hier „geschwurbelt“ wurden.
    Etwas schade, dass hier Themen wie Verschwörungstheorien, Extremismustheorien, Religion und Esoterik zusammengewürfelt werden.
    Dann hätte man auch die Nazis zumindestens mit in die Grafik aufnehmen können. Man muss ja dann gar nicht lesen, dass die nur einen Schuldigen kennen, ist ja bekannt ;)
    Das die FDP aus persönlicher Abneigung fehlt, finde ich etwas – na ja.

    Ich persönlich gehe überhaupt nicht wählen, daher ist mir das ganze eh egal ;)
    Höbbadddie© alleine würde mich aber nicht zur (Nicht-)Wahl einer Partei bewegen, da gibt es wichtigere Themen.

    Was ich schade finde ist, dass viele Politiker sich um eine klare Aussage bzgl. Höbbadddie© drücken.

    Mein Fazit: War mal interessant, aber da hier alle möglichen Themen in einen Topf geworfen werden – auch wenn ich es irgendwo verstehen kann – wahrscheinlich für kaum jemanden wirklich hilfreich.
    Für mich eh egal bzw. zwar interessant, aber nicht wirklich relevant

    • extreme Linke,[…] dürfte die Grafik / der Test wenig sagen, da sie ja schon aufgrund ihrer politischen Gesinnung hier “geschwurbelt” wurden

      Nein. Sie werden geschwurbelt, weil sie verschwörungstheoretische Schwurbeleien von sich geben (das böse Kapital ist an allem schuld).

      Dann hätte man auch die Nazis zumindestens mit in die Grafik aufnehmen können

      Hätte man. Stell sie Dir alle unter der Bewertung „aargks“ vor ;-)

      Ich persönlich gehe überhaupt nicht wählen

      Ich finde es wichtig, wählen zu gehen. Das ist eine Möglichkeit, politischen Einfluss auszuüben. Warum gehst Du nicht? Politikverdrossenheit, kannst Du Dich mit keiner einzigen Partei identifizieren oder aus anderen Gründen?

  2. >Nein. Sie werden geschwurbelt, weil sie verschwörungstheoretische Schwurbeleien von sich geben (das böse Kapital ist an allem schuld).Ich finde es wichtig, wählen zu gehen. Das ist eine Möglichkeit, politischen Einfluss auszuüben. Warum gehst Du nicht? Politikverdrossenheit, kannst Du Dich mit keiner einzigen Partei identifizieren oder aus anderen Gründen?<

    Ich habe einmal bei einer Kommunalwahl gewählt und einmal bei einer Bundestagswahl.
    Ich hab gesehen, welche Hoffnungen Viele auf Rot-Grün gesetzt haben und dann Sozialabbau und Krieg bekommen haben. Die Kurden waren eh enttäuscht, da auch Rot-Grün Waffen in die Türkei lieferten.

    Ich sehe nicht, welche Partei ich wählen sollte (APPD? ;) ) oder warum.

    Auch wenn die Parteien (mittlerweile?) meinen, sie wären die einzigen Möglichkeiten gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen, sehe ich das anders.

    Bei der heutgigen Form der Parteiendemokratie möchte ich mich nicht damit gemein tun.

    Die Rechten sagen, man muss wählen, weil man sonst die Linken wählt, die sagen das umgekehrt, die Mitte sagt, man muss, damit man nicht die Radikalen unterstützt.
    Ich sehe nur, dass sich letztlich im Prinzip nicht wirklich etwas geändert hat, egal wer regiert hat.
    Die Politikerkaste tauscht mal die Stühle, tauchen aber immer wieder auf.

    Ist jetzt mal kurz runtergeschrieben. Ich hab zwischendurch immer mal wieder drüber nachgedacht, aktuell sogar mal über die AfD, aber ach nee.

    Aus Mitleid hab ich mir sogar mal die lokale FDP-Homepage angeschaut, aber deren anscheinend wichtigstes Problem war, Studenten löhnen zu lassen.

    Ach ja, war lange politisch aktiv ;)

    • das hört sich sehr resigniert an … Aber was wären die Alternativen, gesellschaftlichen/politischen Einfluss zu nehmen? Denn egal wie die Einflussnahme aussieht (perönliche Gespräche, selbst aktiv werden, bloggen ;-) ) – das Resultat spiegelt sich im Ergebnis der Wahlen wider. Und schon ist man bei der parlamentarischen Demokratie angelangt. Auch wenn ich wenig begeistert bin, welche Auswüchse (Lobbyismus, gebrochene Wahlversprechen etc.) solch ein System annehmen kann, ist das demokratische mit seiner Langsamkeit und Behäbigkeit gegenüber Veränderungen das bisher beste, was mir einfällt. Oder das am wenigsten schlechte zumindest.

      Ich sehe nur, dass sich letztlich im Prinzip nicht wirklich etwas geändert hat, egal wer regiert hat.

      Da möchte ich widersprechen: Die Änderungen sind langsam und dauern, manchmal Generationen, aber sie sind da. Beispiele: die Ostpolitik Brandts hat eine Menge Dampf aus dem kalten Krieg genommen und zu einer differenzierten gesellschaftlichen Einstellung zur Ost-west-schwarz-weiß-Denke geführt. Die Umweltschutzpolitik der Grünen seit den 80ern hat zu einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel hinsichtlich Umgang mit Ressourcen etc. geführt. Und heute? Da sehe ich derzeit zum Beispiel, dass die Forderung der Piraten nach mehr Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen vielen arrivierten Politikern den Angstschweiß auf die Strin treibt. Wenn die Piraten in den Bundestag einziehen, werden sie mit diesen und anderen „neuen“ Themen den Politbetrieb gewaltig durcheinanderwirbeln. Das mag dauern, vielleicht klappt’s auch nicht – aber um beim Beispiel Transparenz zu bleiben – können sich andere Parteien diesem Thema früher oder später nicht entziehen. Und bevor Du fragst, ob ich die Piraten wähle … Ich weiß es nicht.

      Was ich sagen will: Lass Dich nicht durch all den Scheiß entmutigen, den Politiker mit unserer Demokratie veranstalten. Man kann etwas verändern durch sein Kreuzchen bei der Wahl.

  3. Also wo siehst du denn genau die Verschwörungstheorie – also wer hat sich da angeblich „verschworen“ – in der Annahme, dass das Eigentumskonzept „Kapital“ (also das Privateigentum an Produktionsmitteln) gewisse unschöne Folgen nach sich zieht?

    Ich sehe da eher eine echte Verschwörung, wenn ich die gegenteilige Ideologie anschaue: Also im Lobbyismus der Neolibs. Denn da gibt es tatsächlich einen relativ kleine Personenkreis, der direkt von sowas profitiert. Jaja, der Markt wirds schon regeln, my ass!

    Und deren Handlanger sitzen bekanntlich in allen Blockparteien.

    Dein Schwurbel-Test is ja `ne nette Idee zur Kriterienfindung. Aber leider mit derben Schwächen umgesetzt …

    P.S. Und nein, ich wähle nicht die MLPD.

    • da geb ich Dir Recht: Dass „das Kapital“ und der Neoliberalismus unsoziale Folgen hat, zeigt die Realität.

      Die Verschwörungstheorie, die ich bei den Kommunisten gleich welcher Couleur ausmache, bezieht eher auf die Umsetzung des real existierendem Sozialismus‘. Das habe ich in der Tat unscharf formuliert. Meine „Verschwöungstheorie“-Theorie basiert also weniger (gleichwohl auch) auf dem Das-Kapital-hat-alles-vermasselt-Prinzip als auf einem geschichtlichen Abgleich.

  4. >Das-Kapital-hat-alles-vermasselt-Prinzip als auf einem geschichtlichen Abgleich.<

    Hm, der Kapitalismus hat die Entwicklung gebracht, die für den Sozialismus notwändig ist ;)
    Bis zu einem gewissen Zeitpunkt fanden ja auch die Sozialisten den Kapitalismus fortschrittlich.

    @ aargks: Deine Erklärung zur Verschwörungstheorie verwirrt mich eher ;)
    Was genau meinst Du? Der Westen hat den Osten kaputt gemacht?

    • puh, ich merke, dass meine Verschwörungstheorie-Theorie wohl nicht ganz verständlich ist. Mein Fehler! Lässt Du mich das nochmal durchdenken und versuchen, besser zu umschreiben? Sorry für die superkurze Antwort, ich bin quasi schon im Kurzurlaub und ab Montag wieder im Lande. Aber nagel mich fest, falls ich Dir keine vernünftige Antwort gebe!

  5. >Denn egal wie die Einflussnahme aussieht (persönliche Gespräche, selbst aktiv werden, bloggen ;-) ) – das Resultat spiegelt sich im Ergebnis der Wahlen wider.Da möchte ich widersprechen: Die Änderungen sind langsam und dauern, manchmal Generationen, aber sie sind da.Was ich sagen will: Lass Dich nicht durch all den Scheiß entmutigen, den Politiker mit unserer Demokratie veranstalten. Man kann etwas verändern durch sein Kreuzchen bei der Wahl.<

    Ich will Dich nicht entmutigen ;) Geh wählen. Wollte schreiben „wenn es Dein Gewissen beruhigt“ aber das wäre unfair-flapsig.

    Lustig, wenn ich bedenke, dass ich in der Schule in Politik richtig gut war und alle meinten, ich würde Politiker (was ich teilweise wirklich angedacht hatte)

    nachtrag zu den Grünen: Ein Freund von mir war in der Grünen Jugend. Für mich undenkbar, weil die Grünen nicht akzeptabel sind. Aber ist dann auch raus wegen dem ganzen Prozedere. Ich werde da wohl eher BUND/NABU unterstützen.

  6. @Bernd & Dexter
    Bin zurück und erholt und habe so gar nicht über meine Verschwörungstheorie-Theorie nachgedacht ;-)

    Aber ich bin Euch eine Antwort schuldig. Was ich mit Verschwörungstheorie im Schwurbel-Check-Sinne meine: Das sind Parteien, die ausschließlich (bleiben wir mal bei den Sozialisten und Kommunisten) das Kapital als das Übel ausmachen. Ihre Kritik fußt auf einem recht betagtem philosophischen Ansatz. Die Realität hat sie rechts und links und oben und unten überholt. Und dennoch beharren sie auf dem Kaptialismus-Sozialismus-Paradies-Paradigma, ungeachtet der gewesenen (DDR, UdSSR & Co) „Experimente“, die sehr, sehr viel Leid und Tod gebracht haben. Das finde ich schäbig. Und dafür gab’s Schwurbel-Punkte en gros.

  7. OK die oft verkürzte Kapitalismuskritik bzw die einfache Weltsicht ist oft ein Problem.
    Überholt ist die Theorie zum Teil, zum Teil sieht man aber das Marx und Luxemburg teilweise recht hatte. Deswegen lesen ja auch manche Manager bei Marx nach :-)

    den Staatskapitalismus kann man dem Sozialismus kaum ankreiden.
    Aber es stimmt, es würde wohl trotzdem kaum funktionieren :-)
    Kenne genug Linke wo ich froh bin, dass die nie was zu sagen haben werden :-)

    Kaum jemand wirft ja der Demokratie vor, das auch sie Angriffskrieg e kennt oder damals auch Eugenik . Auch in der Demokratie sind üble Dinge passiert

  8. Neues aus der Anstalt vom 27.8.2013

    Pelzig: … die Wahl ist doch eh schon längst gelaufen

    Priol: Das befürchte ich auch, aber ich finde es großartig, dass sie sie trotzdem noch stattfinden lassen.

    Warum eigentlich?

    Pelzig: Ich vermute das Tagesschau-Phänomenen. Es interessiert keinen wirklich, aber man hat sich dran gewöhnt.

    Priol: So etwas macht der Deutsche ja gerne, so wiederkehrende Rituale so alle 4 Jahre. Olympische Spiele und was ganz wichtig ist wenn man in die Jahre kommt, alle 4 Jahre Darmspiegelung.

    ;)))))))

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