Das neue Bildungsministerium ist da, oder: Auch ein studierter Esel ist ein Esel

Wir haben ein neues Bildungsministerium, zu dem auch Dr. Thomas Herb zählt. Nie gehört? Macht nix. Der will nur spielen, nämlich im Königreich Deutschland bei seiner Lächerlichkeit Peter I. Und nicht nur das: Er wird Leiter der „Akademie für Weisheit und Selbstentfaltung“ im Wittenberger Zwergenreich. Seine Vita ist ein Paradebeispiel, wie ein Naturwissenschaftler in die Esoterik abrutscht.

Wem der Name bekannt vorkommt, er hat ein Buch geschrieben übers Königreich. Ein reichlich peinliches Machwerk, das ich derletzt rezensiert habe (Teil 1, Teil 2). Dr. Thomas Herb firmiert auch als Dr. Thomas Hoffmann.

Nun hat er die höheren Weihen des selbsternannten Königs Fiduziar erhalten und darf mit ihm die königliche Akademie leiten und dort dozieren. Manchmal wird er auch nur als Fachbereichsleiter Mathematik verkauft, aber im Königreich weiß man nie, was und wer gerade aktuell ist. Das wechselt nach Tageslaune des Imperators. Doch darauf kommt’s auch nicht an. Der Lebenslauf von Dr. Herb (hier im königlichen Original nachzulesen) ist abenteuerlich. Erstmal ging’s ganz normal los: Abi, Mathe-Diplom in Göttingen, Physik-Master am California Institute of Technology, Promotion wieder in Göttingen, Akademischer Rat an der Uni Bayreuth. So weit, so profan. Auf der königlichen Website stehen Zeugnisse, die Doktor-Arbeit scheint echt. Zwar ist das Dingen mit 32 Seiten doch eher schmal, aber hey, was soll’s. Fsse Dch krz!

Nun beschäftigte er sich aber neben der Mathematik auch mit „Nicht-Standardtheorien“ und mit „Wissenschaftlern, die vom Mainstream nicht anerkannt wurden“. Das tut das aargks auch, freilich könnten die Ergebnisse nicht gegensätzlicher ausfallen.

Dr. Herb beschäftigte sich mit Parapsychologie und einem Prof. Grinberg-Zylberbaum, mit Burkhard Heim, einem Crank, mit dem esoterischen Zahlenmystiker Peter Plichta, dem Katastrophismus-Schwurbler Immanuel Velikovsky, und dem elektrischen Universum (hier schön zerpflückt bei Astrodicticum Simplex).

Wenn man sich mit obigen Personen und Inhalten beschäftigt, kann man zu dem Schluss kommen, dass der ein oder andere Protagonist die ein oder andere steile These wagt, anders gesagt: einen gewaltigen Sockenschuss hat und die Theorien allesamt keiner Überprüfung standhalten. Kapitel Ende.

Man könnte jedoch auch einen draufsetzen und sein „Wissen“ an der vedischen Uni Vlodrop in den Niederlanden vertiefen. Die hat wohl jener Guru gegründet, dort gibt’s yogisches Fliegen und auch sonst allerlei lustigen Schabernack. Nun bog unser Doktor endgültig in die Esostraße ab und lehrte später vedische Astrologie (als ob Astrologie alleine nicht schon genügend Deppertes hergibt). Die entwickelte er dann weiter zum „neuen astrologischen Systems JyotirVeda Ritam“ oder auch Ayurvedische Astrologie. Wer eine Bullshit-Bingo-Karte in Sekundenschnelle ausfüllen mag, kann das anklicken.

Ein Mensch, der allen Ernstes seine eigene Astrologie entwickelt, für den ist der Schwurbelweg eine Einbahnstraße ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Folglich gründete er eine spirituelle Lebensgemeinschaft, doch böse Welt: „Vorwiegend aufgrund von negativen Kampagnen der Kirchen mußte die Gemeinschaft fünfmal umziehen, innerhalb Deutschlands, nach Frankreich und nach Kroatien.“ Justitia, ick hör dir trapsen.

Eine in Frankreich gegründete Dinkelspelzkissenfirma zog, ebenfalls nach einer Razzia (Justitia, ick hör dir trampeln), nach Kroatien um. Dort leistete unser herber Held mit „Save the Future e.V.“ angeblich Aufbauhilfe nach dem Krieg. Die Quellenlage ist dünn wie die Treffsicherheit astrologischer Vorhersagen. Also null. Zurück in Deutschland betreibt er „einen Heizungsgroßhandel, einen Verlag und eine Internet-Handelsfirma“, zu denen man auch quasi nix im Netz findet. Aber wer mit solchen Angeboten Geld verdienen will, braucht das Internet nicht. Wahrscheinlich bekommt er Kunden Kraft seiner Gedanken, ommmm.

Nun krönt Dr. Thomas Herb/Hoffmann seine Laufbahn mit der Akademie für Weisheit und leitet selbige und/oder den Fachbereich Mathematik. Bietet sich an. Die Akademie ist übrigens derart knorke, dass das Turboabi dagegen wie ein lahmer Gaul daherkommt. Den man vorher erschossen hat. Denn, Achtung festhalten, Zitat bezüglich Matheunterricht: „Gewöhnlich ist der Stand des Abiturs in etwa zwei bis drei Wochen für jeden Schüler, egal welchen Alters, erreichbar.“ Selbst für das aargks, wahrlich keine Matheleuchte, scheint diese Aussage ein klitzekleines bisschen gewagt. Ein promovierte Mathematiker sollte das durchaus auch merken.

Aber wie „DerDude“ nebenan im Anti-Reichsdeppenforum seine Omma zitiert: Auch ein studierter Esel ist ein Esel.

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5 Kommentare zu “Das neue Bildungsministerium ist da, oder: Auch ein studierter Esel ist ein Esel

    • Hm, wäre ne Idee. Nach den Reichsburgerwochen die Reichsdozententage. Hab grade kurz den Prof. Hörmann gekugelt, das scheint ja auch ein Schätzchen zu sein (und im Gegensatz zu den anderen Dozentenstatisten der einzige mit echter Professur) inklusive Suspendierung wegen „zweifelhafter Aussagen zum Holocaust“ , späterer Rehabilitierung und einer reichlich verschwörungstheoretischer Begründung. uiuiui, da schlägt das Rechercheherz höher. Hab eigentlich keine Zeit für sowas, aber morgen ist ja Sonntag. Schön lustig könnte man auch die Tittenausstellung auseinander nehmen, wobei das ja nur ne Fingerübung wäre. Auch interessant ist der Architektur-Dozent – kurz und gut, @Das Chaos, jetzt bin ich angezündet. :-)

      • „Tittenausstellung auseinandernehmen“ „Fingerübung“ – prust :D

        Aber im Ernst, so eine Serie über königlich-fiduziarische Dozenten wäre sicher spaßig. Würde ich sehr gern lesen!

  1. @gnaddrig
    Bin schon dabei :-) Habe mittlerweile alle Dozenten durchgescannt, das könnte sehr, sehr witzig werden. Schreibe gerade den Ankündigungsartikel. Stay tuned!

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